Herzlich willkommen bei der Dieburger Tafel e.V.

An der Dieburger Tafel ist noch Platz für alle

Mrz 17, 2016

HILFE Flüchtlinge in steigender Zahl werden problemlos mit versorgt / Märkte und Bäckereien spenden Lebensmittel

dieburger-tafel-platz-fuer-alle

2500 Besucher registriert die Dieburger Tafel im Monat, davon 200 Flüchtlinge. Hier wird frisch eingetroffene Ware sortiert; im Hintergrund Vorsitzender Hans-Jürgen Jütten. Foto: Dorothee Dorschel

DIEBURG – Die große Zahl an Flüchtlingen macht sich auch bei den Tafeln bemerkbar. Sie berichten von einer starken Nachfrage von Asylsuchenden. Der Bundesverband Deutscher Tafeln befürchtet deshalb einerseits Engpässe in der Versorgung, andererseits Vorbehalte bei deutschen Bedürftigen: ein Blick auf die Situation in Dieburg.

Bei der Dieburger Tafel ist von Spannungen keine Rede: „An der Stelle haben wir im Augenblick keine Sorgen“, erklärt Hans-Jürgen Jütten, Vorsitzender des Tafel-Vereins. Die Versorgung mit Lebensmitteln sei gesichert. Die Dieburger Tafel wird Jütten zufolge von nahezu sämtlichen Supermärkten und Bäckereien der Umgebung beliefert. „Bei uns ist noch keiner raus gegangen, der nicht mindestens einen Korb kaufen konnte.“

Rund 2500 Besuche registriert die Dieburger Tafel im Monat, jeden Tag mehr als 100. Laut Jütten kaufen 550 Kunden aus dem Ostkreis mit dem Berechtigungsausweis ein, davon 200 Flüchtlinge. Der Anteil der Kunden mit Migrationshintergrund betrage – auch ohne die Flüchtlinge – mindestens 50 Prozent. Davon hätten gut die Hälfte einen deutschen Pass. Erst im November habe der Schub mit neuen Flüchtlingen so richtig eingesetzt. „Im Dezember hatten wir 70 Neuzugänge.“Falls doch einmal der Punkt erreicht werde, dass es nicht genug für alle gebe, werde man reagieren.

DER EINKAUF KOSTET 1,50 EURO
Der Verein „Dieburger Tafel“ wurde 2006 mit dem Ziel gegründet, Menschen, die sich in einer Notlage befinden, durch die verbilligte Abgabe von Lebensmitteln zu helfen. Wer arbeitslos, erwerbsgemindert oder Kleinrentner ist und ein bestimmtes Haushaltseinkommen nicht überschreitet, erhält einen Einkaufsausweis für die Tafel. Für derzeit 1,50 Euro können Singles maximal drei Mal in der Woche, Familien mit Kindern vier Mal wöchentlich im Tafelladen einkaufen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 12 Uhr, freitags von 11 bis 14 Uhr.

Wer darf kommen?
Der Verein „Dieburger Tafel“ wurde 2006 mit dem Ziel gegründet, Menschen, die sich in einer Notlage befinden, durch die verbilligte Abgabe von Lebensmitteln zu helfen. Wer arbeitslos, erwerbsgemindert oder Kleinrentner ist und ein bestimmtes Haushaltseinkommen nicht überschreitet, erhält einen Einkaufsausweis für die Tafel. Für derzeit 1,50 Euro können Singles maximal drei Mal in der Woche, Familien mit Kindern vier Mal wöchentlich im Tafelladen in der Industriestraße 15 einkaufen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 12 Uhr, freitags von 11 bis 14 Uhr.

So könne man beispielsweise die Einkaufshäufigkeit pro Kunde reduzieren oder nur viermal statt wie bisher fünfmal pro Woche öffnen. Im Gegensatz zu anderen Tafeln, wo bestimmte Öffnungstage ausschließlich Flüchtlingen vorbehalten sind, wolle man in Dieburg die Kunden nicht separieren. „Dass die Leute sich beobachten, ist doch klar. Aber dagegen ist nichts zu sagen, solange keine Aggressivität eintritt.“

Sogar als bereichernd empfindet Edith Reubold, die seit gut vier Jahren hier einkauft, das multikulturelle Miteinander. Die 62-Jährige aus Groß-Zimmern und ihr Ehemann haben insgesamt 900 Euro im Monat zur Verfügung, „da bleiben uns genau 170 Euro zum Leben. Davon kommen wir grade so rum“. Sie fühlt sich wohl bei der Tafel, alle Mitarbeiter seien so nett, es gebe keinerlei Probleme. „Ich hab viele Freunde gewonnen“, schildert Edith Reubold, kurdische und syrische.

„Wir werden alle gleich behandelt“, betonen auch Jörg Schlegel (52) und Ehefrau Ruth Müller, deren Rollstuhl er durch den Laden schiebt. Nach dem Einkauf finden sich in ihrem Netz viel frisches Obst und Gemüse. Seit zwei Jahren kommen die beiden hierher. Nach zwei Schlaganfällen findet der Schlosser keine Arbeit mehr und muss sich auch um die Partnerin im Rollstuhl kümmern. „Ist doch egal, ob Afghanen, Syrer oder Türken. Nein, wir haben nicht das Gefühl, dass uns was weggenommen wird.“

Keine Ressentiments kann auch Angelika Noll feststellen. Die 43 Jahre alte Dieburgerin war nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes zeitweise in einem Ein-Euro-Job in der Tafel tätig und engagiert sich dort jetzt im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes. „Unmut oder Unzufriedenheit, davon ist hier nichts zu spüren“, sagt sie aus ihrer Erfahrung.

Von Dorothee Dorschel (Darmstädter Echo 17.03.2016)