Weihnachtsessen nur dank der Tafel (Darmstädter Echo 24.12.2008)
Armut: Leute mit knappem Budget müssen sich auch an Weihnachten einschränken – Dieburger Verein gefragte Anlaufstelle
DIEBURG. „Weihnachten wird sehr bescheiden ausfallen“, berichtet eine Dieburgerin, die für ihre 22 Jahre alte , alleinerziehende Tochter in der Schlange vor der Dieburger Tafel ansteht.
„Wir sind darauf angewiesen, uns hier das Nötigste holen zu können und sind sehr dankbar dafür“, fügt eine alleinerziehende Mutter (37) von drei Kindern hinzu.
Früher habe sie sich geschämt zur Tafel zu kommen, doch wenn Mitte des Monats der Kühlschrank ebenso leer ist wie das Bankkonto, habe man keine andere Wahl: „Ohne diese Einrichtung würde es für uns nicht gehen!“
Geschenke wird es zu Weihnachten bei allen geben, aber eben weniger und kleinere. Auch ein Baum ist für manche, trotz knappem Budget, unverzichtbar. So sagt eine achtundvierzigjährige Dieburgerin trotzig: „Ich habe 20 Euro für einen Baum bezahlt, aber das war mir egal – ohne wäre es kein Weihnachten!“ Vor Hartz IV sei Weihnachten aber wesentlich besser ausgefallen.
Andere haben Weihnachten völlig abgeschworen. So sagt eine Vierundfünfzigjährige: „Mir ist Weihnachten inzwischen egal. Es ein Tag wie jeder andere.“
Die Tafel verteilt hauptsächlich Nahrungsmittel, die kurz vor dem Ablaufdatum von Supermärkten und Bäckern aus der Umgebung gespendet werden. Manchmal gebe es aber auch ausgefallenere Gaben, berichtet Christine Fritz, Vorstandsmitglied: „Eine Behindertenwerkstatt hat uns einige Weihnachtsbäume geschenkt.“ Auch Weihnachtssterne können die Leute an diesem Tag mitnehmen. So kann zumindest ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen.
Jetzt im Winter sei die Nachfrage nach Lebensmitteln größer, erzählt Fritz: „Manche Leute stehen schon um halb sechs Uhr morgens vor der Tür, um sich eine Nummer abzuholen.“ Je früher man da ist, desto mehr Auswahl hat man, wenn um 10 Uhr die Ausgabe beginnt. Das wissen viele, und eine halbe Stunde vor Öffnung steht schon eine lange Schlange vor der Tür. Darunter sind viele ältere Leute und Migrantenfamilien, denen es am Nötigsten, dem Essen, fehlt.
Der Verein Dieburger Tafel ist auf Geld- und Nahrungsmittelspenden angewiesen. Besonders haltbare Nahrungsmittel, wie Nudeln, Reis oder Mehl seien wichtig, so Fritz. Manchmal haben die Leute aber auch ein bisschen Glück: Eine der Frauen in der Schlange berichtet, bei ihr werde es zu Weihnachten Ente geben: „Die habe ich vor einiger Zeit geschenkt bekommen und eingefroren“, sagt sie froh.
Einig sind sich die Frauen, dass sie ihr Weihnachtsessen zum Großteil mit dem zubereiten werden, was sie hier bekommen: „Es wird ein Weihnachtsessen geben – Dank der Tafel!“
cor
24.12.2008